Manche Führungsbücher liest du, verstehst sie und stellst sie ins Regal. Bei „Mindful Leader“ war das für mich anders. Das Buch hat mich berührt. Vielleicht, weil Esther und Johannes Narbeshuber Achtsamkeit nicht als zusätzliche Technik für einen ohnehin vollen Arbeitstag behandeln. Sie stellen eine grundlegendere Frage: Wie führst du dich selbst, wenn Druck, Unsicherheit und hohe Erwartungen zusammenkommen?
Ihre Antwort ist praktisch, angenehm ruhig und ungewöhnlich schön gestaltet. Schon die bildliche Aufbereitung und die klare Struktur machen Lust, immer wieder hineinzuschauen. Genau darin liegt für mich eine Stärke des Buches. Du kannst es von vorne bis hinten lesen. Du kannst es aber ebenso als Nachschlagewerk nutzen, wenn du im Führungsalltag gerade einen klaren Gedanken oder eine kurze Übung brauchst.
Für wen ist dieses Buch geeignet?
- Das Buch passt zu dir, wenn du als Führungskraft viel Verantwortung trägst und merkst, dass reine Selbstdisziplin dich auf Dauer Kraft kostet.
- Besonders wertvoll ist es, wenn du gelassener führen willst, ohne an Klarheit und Konsequenz zu verlieren.
- Auch ohne Erfahrung mit Achtsamkeit findest du einen verständlichen Einstieg und konkrete Bezüge zum Berufsalltag.
- Weniger geeignet ist das Buch, wenn du eine streng wissenschaftliche Gesamtdarstellung der Achtsamkeitsforschung suchst.
- Kernnutzen in einem Satz: „Mindful Leader“ zeigt, wie Präsenz und Selbstwahrnehmung im Führungsalltag mehr Handlungsspielraum schaffen.
Zwei Wege, sich selbst zu führen
Die Narbeshubers erzählen von Sam, einem Manager, dessen bisherige Art zu arbeiten an ihre Grenzen kommt. An seinem Weg zeigen sie zwei unterschiedliche Strategien. Die erste setzt auf Druck, Kontrolle und Selbstdisziplin. Sie kann kurzfristig viel bewegen. Auf Dauer fordert sie einen hohen Preis, weil Angst und Anspannung zum inneren Antrieb werden.
Die zweite Strategie beginnt mit Achtsamkeit. Damit ist kein entspanntes Weglächeln von Problemen gemeint. Achtsamkeit heißt hier, wahrzunehmen, was gerade geschieht, bevor der Autopilot übernimmt. Du bemerkst deine Gedanken, Gefühle und körperlichen Reaktionen. Dadurch entsteht ein kleiner Abstand zwischen Reiz und Handlung. In diesem Abstand liegt Wahlfreiheit.
Für Führungskräfte ist das hochpraktisch. Wer die eigene Anspannung früh erkennt, muss sie nicht unbemerkt ins Team tragen. Wer seine inneren Muster kennt, kann klarer entscheiden. Und wer sich selbst mit etwas mehr Ruhe begegnet, hört oft auch anderen genauer zu.
Achtsamkeit zeigt sich im Arbeitsalltag
Das Buch bleibt nicht bei Meditation stehen. Es überträgt die Haltung unter anderem auf Kommunikation, Besprechungen und Entscheidungen. Diese Verbindung gefällt mir, weil Führung schließlich in solchen Alltagssituationen sichtbar wird. Eine kurze Pause vor einer Antwort kann mehr verändern als eine weitere Methode. Ein bewusst geführtes Gespräch kann verhindern, dass aus eigener Unruhe unnötiger Druck für andere entsteht.
Dabei wird auch deutlich: Selbstführung und Mitarbeiterführung lassen sich schwer trennen. Was in dir ungeklärt bleibt, wirkt nach außen. Dein Tempo, deine Ungeduld und dein Bedürfnis nach Kontrolle sitzen mit am Besprechungstisch, selbst wenn du kein Wort darüber verlierst.
Wenn du diesen Zusammenhang vertiefen möchtest, findest du in meinem Leitfaden zur Selbstführung weitere Ansätze für deinen Führungsalltag.
Meine persönliche Bewertung
„Mindful Leader“ hat es mir sehr angetan. Es ist schön geschrieben, sehr anschaulich aufbereitet und so strukturiert, dass ich mich schnell orientieren kann. Diese Gestaltung ist kein Nebenthema. Sie unterstützt die Botschaft des Buches. Achtsamkeit wird beim Lesen fast körperlich spürbar, weil die Seiten nicht überladen wirken und die Gedanken Raum bekommen.
Besonders inspirierend finde ich die Verbindung von Achtsamkeit, Gelassenheit und Führung. Das Buch macht Führung dadurch weder weich noch beliebig. Es zeigt, wie Präsenz dabei hilft, klarer zu handeln und andere weniger aus dem eigenen Stress heraus zu führen.
Ich würde es Menschen empfehlen, die ein Buch tatsächlich benutzen wollen. Viele Passagen und Übungen eignen sich dafür, sie nach einigen Wochen erneut aufzuschlagen. Du musst daraus kein großes Programm machen. Manchmal reicht eine Seite am Morgen oder eine kurze Erinnerung vor einem schwierigen Gespräch.
Eine Einschränkung gehört dazu: Einzelne Erklärungen aus der Hirnforschung sind recht eingängig formuliert. Ich würde sie eher als Orientierung lesen und nicht als abschließende wissenschaftliche Aussage. Der praktische Wert des Buches bleibt davon unberührt.
Drei Fragen für deine Praxis
Woran merkst du körperlich zuerst, dass du unter Druck gerätst?
Welche Entscheidung triffst du gerade aus innerer Klarheit, und welche eher aus Angst vor einem möglichen Fehler?
Was würde sich in deinem nächsten Gespräch verändern, wenn du vor deiner Antwort drei ruhige Atemzüge lang nur zuhörst?
Fazit: Ein Buch, das im Alltag bleiben darf
„Mindful Leader“ verbindet eine klare Haltung mit einer alltagstauglichen Umsetzung. Es liest sich leicht, ohne oberflächlich zu werden, und lädt dazu ein, Führung bei sich selbst beginnen zu lassen.
Für mich ist es eines dieser Bücher, die nach der Lektüre nicht im Regal verschwinden sollten. Es darf auf dem Schreibtisch liegen, Eselsohren bekommen und immer wieder an einer anderen Stelle aufgeschlagen werden.
Empfohlen für Führungskräfte, die Achtsamkeit praktisch nutzen und gelassener aus innerer Klarheit führen wollen.
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Weitere Empfehlungen findest du unter Bücher zur Persönlichkeitsentwicklung.



